Außer Spesen
nichts gewesen
Roters in Fragen
Nord-Süd-Stadtbahn ratlos - gestrige Hauptausschussitzung war ein
aufklärungspolitisches Desaster
Auf der gestrigen Sitzung des
Hauptauschusses der Stadt Köln zu den Ereignissen rund um den
Nord-Süd-Stadtbahnbau wollte die Stadt Köln ihre Handlungsfähigkeit
zurückgewinnen – so war es jedenfalls angekündigt. Das Interesse der
Bevölkerung und der Medien war enorm. Allein acht Kamerateams sowie die
Spitzenreporter aller deutschen Nachrichtenagenturen waren anwesend. Statt
Entscheidungen verkam die ganze Veranstaltung allerdings zu einem kölschen
Debattierclub. Relevante Verwaltungsunterlagen wurden den Ratsmitgliedern
nicht zur Verfügung gestellt, stattdessen sollte wohl ein circa
hundertseitiger Pressespiegel, der die Vorgänge der letzten Wochen
zusammenfasst, als Arbeitsgrundlage dienen. Einzig und allein die Fraktion pro
Köln nutzte die Sitzung, um mit Anträgen endlich die Handlungsfähigkeit der
Stadt Köln in Sachen Nord-Süd-Stadtbahn tatsächlich zurückzugewinnen.
Die Forderungen lauteten im Einzelnen:
Sofortige Abberufung des KVB-Vorstandsvorsitzenden Fenske (SPD), Beurlaubung
des ehemaligen Kölner CDU-Parteichefs Reinarz (Technikvorstand), Rücktritt der
Aufsichtsratsmitglieder Zimmermann (SPD) und Möring (CDU), Akteneinsicht in
alle relevanten Dokumente zum Stadtbahnbau, Einrichtung eines provisorischen
Tiefbauamtes und Rückübertragung der Bauaufsicht auf die Stadt Köln. Sämtliche
Anträge wurden von den Altparteien mangelnder Dringlichkeit (!) wegen gar
nicht zur Beratung zugelassen. Ratsmitglied Jörg Frank (Grüne), seines
Zeichens gescheiterter Kämmerer äußerte dreist: „Das hat doch Zeit bis zur
nächsten Ratssitzung am 27. März.“ Als grotesk muss die Mitteilung von OB
Jürgen Roters empfunden werden, der als Maßnahme gegen die Missstände einen
Arbeitskreis gegründet hat, der im Wesentlichen aus ihm und seinen engsten
Mitarbeitern besteht. Ebenso schwach war auch der Vortrag des
KVB-Technikvorstandes Walter Reinarz. Während dessen Ausführungen wurde
pro-Köln-Vetreter Jörg Uckermann von Zuschauern gefragt, ob an der Spitze der
KVB ebenso wenig Sachverstand herrsche. Den Zuschauern war scheinbar nicht
bekannt, dass das die Spitze der KVB ist.
Der anschließende Vortrag des
Geschichtslehrers und Ex-Praktikanten der Kölner SPD-Fraktion Fenske in seiner
jetzigen Funktion als KVB-Gesamtchef war an Lächerlichkeit und Belanglosigkeit
nur schwer zu überbieten. Die folgenden Statements der Altparteien
unterschieden sich in ihrem Gesamttenor „Wir müssen wieder Vertrauen
herstellen!“ nur marginal. Fragen hatten die Herrschaften Granitzka, Börschel,
Tull und Co. keine.
Dafür äußerte sich Ratsmitglied Uckermann
umso ausführlicher. Er unterstellte dem OB das Niveau eines abgehalfterten
Schülersprechers mit dem Motto: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich
einen Arbeitskreis.“
„Dass bis heute keine belastbaren Daten zur
Verfügung gestellt werden, ist ein Skandal!“ äußerte Uckermann. Den
Herrschaften Reinarz und Fenske sprach Uckermann im Namen der Fraktion pro
Köln ausdrücklich das Misstrauen aus. Weiterhin wollte er wissen, ob sie sich
jemals in ihrer beruflichen Vergangenheit mit U-Bahn-Bau beschäftigt haben.
Vom König der Aufsichtsräte Martin Börschel (SPD) wollte Uckermann wissen,
warum er es nicht für nötig hielt, Fragen zu stellen, wo er doch in der
Zeitung die Kölner Bürger dazu aufgerufen hatte, Fragen an ihn zu richten, die
er dann im Ausschuss vorbringen wollte. Generell warf Uckermann die Frage auf,
ob in dem Fall U-Bahn ein Ende mit Schrecken nicht besser sei, als ein
Schrecken ohne Ende. Er kündigte weitere hilfreiche und sinnvolle Initiativen
der Bürgerbewegung pro Köln in Stadtrat an. „Der kölsche Parteienfilz ist ein
ausgewiesenes Merkmal von Dekadenz, wie sie auch im alten Rom anzutreffen war.
Die Frage ist, welches Haus stürzt als nächstes ein“, so Uckermann
abschließend.